Vorsicht Falschinformation!
25.08.2010 08:42
Appell für eine sachliche Informationspolitik
Von Esther Egger, Nationalrätin, Kirchdorf
Tagtäglich werden radioaktive Abfälle produziert, unabhängig davon, ob weitere Kernkraftwerke betrieben werden oder nicht. Von den Gegnern der Kernenergie wird gerne verschwiegen, dass auch bei der Anwendung unserer hochentwickelten medizinischen Versorgung solche Abfälle anfallen. Eine Lösung für die Lagerung von radioaktiven Abfällen ist zwingend, noch zwingender ist aber eine sachliche Informationspolitik. Strahlung löst bei unserer Bevölkerung grundsätzlich Angst aus, obwohl es auch natürliche Strahlung gibt, der wir dauernd ausgesetzt sind. Mit diesen Ängsten zu spielen ist verantwortungslos und sich grundsätzlich gegen Tiefenlager zu wehren ist aus den genannten Gründen nicht ehrlich. Die Schweizerische Energiestiftung (SES) liefert mit ihrem breit gestreuten Atommüll-Anzeiger Fakten über die Entsorgung der radioaktiven Abfälle, die verdreht oder schlicht falsch sind.
Die SES schreibt: „Funktioniert [beim Tiefenlager] auch nur eine Schutzschicht nicht wie geplant, so wird die Radioaktivität schneller freigesetzt“. Diese Aussage schürt bereits vorhandene Ängste und muss korrigiert werden. Richtig ist: Versagt eine Barriere, greifen die anderen. Denn das Mehrfachbarrierensystem, vom Wirtgestein bis zum Behälter für die Abfälle, ist ein grundlegender Bestandteil des Entsorgungskonzepts. Jede Barriere wirkt für sich allein. Gleichzeitig ergänzen sich die einzelnen Barrieren.
Der Opalinuston als Wirtgestein ist die wichtigste. Damit ein Lager gebaut wird, muss die Schicht mindestens 100 Meter mächtig sein. Dabei würden bereits wenige Meter Dicke genügen, um die Radioaktivität vollständig abzuschirmen. In tiefen geologischen Schichten herrschen andere Zeitdimensionen als an der Erdoberfläche. Vor 180 Millionen Jahren entstanden, liegt der Opalinuston in den vorgeschlagenen Standortgebieten weitgehend unverändert vor. Diese Trägheit der Geologie macht sich die Nagra bei der Entsorgung zunutze. Das eidgenössische Sicherheitsinspektorat attestiert denn auch der Nagra, dass die gestellten sicherheitstechnischen Vorgaben bei den Abklärungen für ein Tiefenlager in der Schweiz umgesetzt wurden.
Entscheiden über den Standort eines Tiefenlagers wird das Schweizervolk. Das ist richtig und bestätigt die Qualität unserer direkten Demokratie. Dass die möglichen Standortkantone besondere Anforderungen an die Evaluation der in Frage kommenden Standorte stellen ist verständlich und richtig. Umso mehr erwarte ich, dass eine offene und verantwortungsvolle Diskussion über die Chancen und Risiken einer Tiefenlagerung der radioaktiven Abfälle möglich ist. Deshalb befürworte ich die regionale Partizipation, mit der sich die betroffenen Bürgerinnen und Bürger eine Meinung bilden und diese auch kundtun können. Dafür müssen sie jedoch sachlich und emotionsfrei informiert werden. Das Verdrehen von Tatsachen und Angstmacherei ist fehl am Platz und trägt keineswegs zum Finden von Lösungen bei.

Einen Kommentar schreiben